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Die Geschichten unserer Fahrer - ein Blick hinter die Kulissen

Erfahren Sie mehr über die tägliche Arbeit bei der Würzburger Straßenbahn. Wie sieht der Arbeitsalltag eines Straßenbahnfahrers aus oder welche Dinge erlebt er auf den täglichen Touren?

Ein kleiner Ausschnitt aus dem Berufsalltag eines Straßenbahnfahrers.

Interview mit Rainer Hüttl

Wie lange sind Sie schon Straßenbahnfahrer?
Seit 27 Jahren schon.

Wie lange davon hier in Würzburg?
Die komplette Zeit. Ich bin noch nirgendwo anders Straßenbahn gefahren.

Was hat sich während dieser Zeit besonders verändert?
Ich habe ursprünglich als Kombifahrer für Bus und Straßenbahn begonnen. Heute komme ich nur noch bei Baustellen, Unfällen oder bei Schienenersatzverkehr zum Busfahren. Im Vergleich zu damals hatte man früher etwas mehr Abwechslung, was das Fahrzeug betrifft.
Was sich auch geändert ist der Turnus (Dienst), den man als Fahrer hat. Früher hatte man wenige Möglichkeiten, diesen zu beeinflussen. Das ist heute ganz anders. Heute ist man, was die Arbeitszeit betrifft, viel flexibler. Ist man eher ein Frühaufsteher, kann man heute ohne Probleme die Frühschichten übernehmen. Das kommt natürlich auch der Sicherheit zugute.

War Straßenbahnfahrer schon immer Ihr Traumberuf?
Mein Vater hat 1966 bei der Würzburger Straßenbahn begonnen, ich bin 1968 geboren und mit der Tram aufgewachsen. Da ist man natürlich als Kind schon das eine oder andere Mal bei seinem Vater auf der Bahn mitgefahren. Im Alter von 5 Jahren habe ich bereits gesagt, dass ich Straßenbahnfahrer werde, wenn ich groß bin. Dieses Ziel hatte ich immer vor Augen. Mit 21 Jahren hat sich dieser Traum dann erfüllt und ich habe es bis heute nicht bereut.

Wie wird man Straßenbahnfahrer?
Straßenbahnfahrer wird man durch eine innerbetriebliche Ausbildung. Hier wird man von internen Fahrmeistern in die Fahrzeugtechnik sowie ins Streckennetz eingewiesen. Im Grunde ist das ähnlich wie beim Führerschein für den PKW. Man lernt, wie sich das Fahrzeug beim Bremsen verhält, welche Knöpfe für was zuständig sind und auf was man während der Fahrt achten muss. Hierzu zählen neben den Sicherheitsaspekten auch solche Dinge wie Weichen oder Gefahrenstellen auf den einzelnen Strecken. Die ersten Tage hat man viel Respekt, ein so großes Fahrzeug zu bewegen, aber die Ausbildung war sehr hilfreich und man wusste alle wichtigen Sachen. Die Feinheiten kamen dann im Laufe der Zeit durch die Erfahrung.

Gibt es besondere Voraussetzungen?
Damals wurde nach Mitarbeitern gesucht, die z.B. einen kaufmännischen oder handwerklichen Beruf erlernt hatten. Darüber hinaus muss das Führungszeugnis in Ordnung sein und man darf keine Punkte in Flensburg haben. Auch gesundheitlich wird man durchgecheckt, um sicherzustellen, dass man körperlich fit und gesund ist und für die verantwortungsvolle Fahrdienst-Tätigkeit geeignet ist.

Was bedeutet es Ihnen Straßenbahnfahrer zu sein?
Für mich ist es ein Beruf, der mir Spaß macht. Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn sich „meine Straba“ in Bewegung setzt.

Was bedeutet es Ihnen hier in Würzburg zu fahren?
Die Würzburger Straßenbahn ist ein guter Arbeitgeber. Auch das Verhältnis unter den Kollegen ist gut. Man kennt sich und weiß, was wem wichtig ist und berücksichtigt das auch bei der Arbeit.

Sind Sie privat auch Straßenbahnfan und auf was achten Sie bei anderen Straßenbahnen?
Ich reise jetzt nicht durch Deutschland und bewundere andere Straßenbahnen, aber wenn im Fernsehen mal eine Dokumentation z.B. über die Straßenbahn in München läuft, schaut man sich die schon gerne an. Den Arbeitsplatz der Fahrer hat man hier natürlich genauer im Blick. Auch allgemeine Betriebsabläufe oder der gefahrene Turnus interessieren mich.

Was bedeutet Pünktlichkeit für Sie?
Man ist natürlich bemüht pünktlich zu sein. Es ärgert einen, wenn man unpünktlich ist. Aber an erster Stelle steht trotzdem ganz klar die Sicherheit. „Sicherheit geht vor Fahrplan“ heißt es bei uns in der WSB. Aber als Fahrer möchte man seinen Zeitplan trotzdem gerne einhalten.
Das hängt aber auch immer sehr von der Uhrzeit ab. Besonders morgens ist immer sehr viel los und da dauert es gerne mal etwas länger, bis die Türen wieder schließen. Als Fahrer hat man dann die Möglichkeit mit der Geschwindigkeit wieder etwas Zeit gut zu machen. Manchmal muss die erlaubte Höchstgeschwindigkeit dann auch genutzt werden. Durch die lange Erfahrung kann man das selbst schon sehr gut einschätzen und es fällt einem leichter pünktlich zu sein.

Inwiefern legen Sie privat Wert auf Pünktlichkeit?
Berufsbedingt ist man privat automatisch pünktlicher als manch anderer. Als Straßenbahnfahrer wird man aber gerne mal aufgezogen, wenn man nicht zur ausgemachten Zeit da ist. Das zählt wahrscheinlich zum Berufsrisiko.

Was bedeutet das Thema Sicherheit für Sie?
Sicherheit ist das A und O in meinem Beruf und steht immer an erster Stelle.

Gibt es spezielle Gesundheitschecks?
Alle 3 Jahre gehe ich für meinen Straßenbahnschein zum Arzt. Beim Bus wiederholt sich das alle 5 Jahre. Wenn ich 50 bin, mache ich die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (kurz MPU).

Welche Fort- und Weiterbildungen besuchen Sie / sind Pflicht?
Jedes halbe Jahr gibt es spezielle Schulungen im Betrieb. Dort wird auf aktuelle Problematiken, wie z.B. Baustellen, Haltestelländerungen usw. hingewiesen. Auch neue Vorschriften werden erklärt. Darüber hinaus bespricht man spezielle Kundenbewegungen, beispielsweise aufgrund eines neuen Parkplatzes. Es wird aber auch über Barrierefreiheit und wie man mit mobiliätseingeschränkten Fahrgästen umgeht und Hilfestellung leistet, gesprochen.

Auf was wird vor Fahrtantritt geachtet?
Hier gibt es zwei Möglichkeiten. Bei Variante eins übernehme ich ein Fahrzeug neu. Hier wird vor Fahrtantritt ein vollständiger Sicherheitscheck durchgeführt. Es wird unter anderem geprüft, ob die Bremsen funktionieren, kein Licht kaputt ist, die Türen richtig öffnen und schließen oder ob die Fahrzeugklingel funktioniert. Ist alles in Ordnung, bestätige ich das Protokoll mit meiner Unterschrift und kann meinen Dienst beginnen.
Bei Variante zwei übernimmt man an einer Haltestelle ein Fahrzeug, welches bereits auf Strecke ist. Hierfür wechseln die Fahrer bei einer Haltestelle, z. B. Hauptbahnhof oder Friedrich-Spee-Straße. Man muss sich bei dieser Variante auf seine Kollegen verlassen, dass diese den Sicherheitscheck ordnungsgemäß durchgeführt haben. Bis jetzt gab es hier aber noch keine Probleme.

Auf was ist während der Fahrt zu achten?
Auf alles. Wie beim Autofahren muss man auch als Straßenbahnfahrer auf den Verkehr, die Fußgänger, die Signalanlagen und auf Fahrradfahrer achten.
Hinzu kommt aber noch, dass man auch seine Fahrgäste im Blick hat. Zum einen natürlich die, die bereits im Fahrzeug sind, zum anderen auch auf die wartenden Fahrgäste, wenn man z.B. eine Haltestelle anfährt.
In der Fußgängerzone beispielsweise hat man nach so langer Zeit schon einen Blick dafür, wen man genauer beobachtet sollte. Es ist besonders wichtig, immer aufmerksam sein, da oftmals unerwartete Dinge geschehen, auf die man schnell reagieren muss.

Gibt es bestimmte Rituale?
Eigentlich nicht. Alle Fahrer grüßen sich gegenseitig mit Handzeichen, wenn man sich auf der Strecke entgegen fährt.

Was war Ihr lustigstes, schlimmstes, peinlichstes oder schönstes Erlebnis als Straßenbahnfahrer?
Ich habe meine Freundin auf der Arbeit kennen gelernt. Das war, als ich damals Nachtbus gefahren bin. Auf Ihre Frage, womit sie mich nur verdient hat, antworte ich heute immer „Weil du dich nicht an die Regeln gehalten hast. In jedem Fahrzeug steht doch, dass man während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen soll.“
Ein anderes Erlebnis war eine ältere Dame, die damals zu mir um 3 Uhr nachts in den Bus gestiegen ist. Sie kam mir etwas verwirrt vor und erzählte, dass sie ins Krankenhaus auf Besuch fahren wolle. Nach Rücksprache mit der Verkehrsleitstelle wurde dann vorsichtshalber die Polizei benachrichtigt. Als diese ankam und sie die Frau gebeten haben, mit ihnen weiterzufahren, entgegnete diese nur: „Ja genau, ich fahr jetzt bei Ihnen mit, weil mit dem Busfahrer, der Petze, fahr ich nicht mehr mit.

Wie verhalten sich die Fahrgäste allgemein Ihnen gegenüber?
Es gibt solche und solche Fahrgäste, wie in der gesamten Gesellschaft auch. Für manche hält man extra noch einmal im Spätverkehr, damit sie nicht 30 Minuten auf die nächste Bahn warten brauchen und es kommt nicht mal ein „Dankeschön“. Andere Fahrgäste grüßen einen einfach so beim Einsteigen und sind froh, dass sie mitfahren können. Dies hat sich über die Zeit aber nicht wirklich verändert.

Konnten Sie schon einmal einem Fahrgast helfen?
Was man immer wieder beantwortet, sind Fragen über den Fahrplan und das Liniennetz. Hier versuche ich natürlich immer, so gut es geht zu helfen, damit jeder an sein Ziel kommt.
Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator unterstützt man auch gerne beim Ein- bzw. Aussteigen. Alles im allem hilft man, wo man gebraucht wird.

Hätten Sie gerne vermehrten Fahrgastkontakt, z. B. Fahrschein-Verkauf?
Im Bus hat man mehr Kontakt zu den Fahrgästen als in der Straßenbahn. Als Fahrer sollte man sich aber mehr auf die Strecke konzentrieren als auf seine Fahrgäste. Aus diesem Grund finde ich es ganz gut so, wie es aktuell ist.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Dass die nächsten 16 Jahre so gut vergehen wie die ersten 26.

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